Wir haben uns sehr gefreut, Petra Horn interviewen zu können, die Initiatorin des Projektes „Deutschlands größtes Wimmelbild für die Kinderrechte“. Sie konnte uns einiges über ihre Arbeit, die SOS-Kinderdörfer im Allgemeinen und natürlich die Entstehung des aktuellen Projektes berichten.

Was ist Ihre Aufgabe bei SOS und wie sieht Ihre Arbeit aus?

Ich bin Vorstand bei den SOS-Kinderdörfern weltweit und bin in meinem Vorstandsresort verantwortlich für den Bereich Fundraising – also für das Sammeln von Spenden bei Großspendern, Unternehmen, Stiftungen, Nachlässen

Wie sind Sie zu dieser Arbeit gekommen? Welches Interesse haben Sie dabei verfolgt?

Vor ca. einem Jahr – denn so lange bin ich noch nicht bei SOS – habe ich mir überlegt, dass ich sehr gerne eine ganz andere Aufgabe wahrnehmen möchte Ich würde in meiner neuen Tätigkeit gerne etwas Sinnvolles und Sinnstiftendes tun und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Und was kann man besseres machen als Kinder zu unterstützen und ihnen zu helfen? Denn ihr seit die Zukunft für unsere Gesellschaft.

Wie verläuft die Gründung eines Kinderdorfes?

Meistens ist es so: Wir schauen, wo Bedarf ist. Wo brauchen die Kinder dieser Welt am nötigsten unsere Hilfe. Wo müssen Kinderdörfer hin? Wo fehlen sie? Und wenn das eruiert worden ist, dann schauen wir, dass wir Sponsoren oder Spender finden, die das unterstützen, denn es muss ja finanziert werden. Dann muss in dem Land vor Ort mit dem Staat gesprochen werden, ob dieser damit einverstanden ist, dass ein Kinderdorf gebaut wird, weil wir eine private Organisation sind. Es gibt vorab sehr viele Formularien, die man durchführen und bekommen muss, bevor man ganz klassisch eine Baugenehmigung bekommt.

In den Kinderdörfern gibt es ja immer eine Kinderdorfmutter. Warum wurde sich entschieden nur eine Mutter zu haben und nicht auch einen Vater?

Mittlerweile gibt es auch Kinderdorfväter. Das Thema Kinderdorfmutter ist so zustande gekommen: Hermann Gmeiner, der die SOS-Kinderdörfer gegründet hat, ist nach vier Prinzipien vorgegangen, die ihm damals ganz wichtig waren: Jedes Kind soll eine Mutter haben, Geschwister, ein Zuhause und es soll Schutz haben, dafür steht das Dorf. Jedes Kind soll ein liebevolles Zuhause haben. Das war Hermann Gmeiner das Wichtigste bei der Gründung der SOS-Kinderdörfer. Wie gesagt, es gibt mittlerweile auch Paare die sich um die Kinder kümmern.

Wie werden eine Kinderdorfmutter beziehungsweise Kinderdorfeltern gefunden?

Da ist eine gute Frage und nicht einfach. Die SOS-Mütter müssen eine bestimmte Ausbildung mitbringen, sie müssen eine pädagogische Grundausbildung haben, bevor sie überhaupt SOS-Mutter werden können. Sie benötigen ein bestimmtes Alter, denn sie sollen ja die Kinder bis zum erwachsenen Alter begleiten. Sie müssen geeignet sein, weil es schon eine riesen Herausforderung für all die Kinderdorfmütter ist, immer für die Kinder da zu sein – das ist nicht einfach. Wir suchen ganz normal am Arbeitsmarkt.

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Frau Horn beim Interview mit dem Blogteam

Sie waren schon in einigen Kinderdörfern, was sind ihre Eindrücke?

 

Mittlerweile war ich schon in vielen Kinderdörfern in den unterschiedlichsten Ländern. Und ich muss sagen, der schönste Eindruck, den ich immer wieder in den Kinderdörfern oder aber auch in den Jugendgruppen, die sich dann aus den Kinderdörfern ergeben, erlebe, ist, wie motiviert und engagiert die Kinder und die Jugendlichen dort sind. Die haben so eine Energie und so einen Willensdrang zu lernen, das ist unglaublich! Ich glaube, da könnten sich einige Kinder hier was abschauen. Die Kinder  freuen sich, wenn Sie zur Schule gehen können und lernen dürfen.

Kommen wir jetzt zum Projekt, was gerade am Görres stattfindet. Was genau ist hier Ihre Aufgabe?

Zusammen mit meinen beiden Vorstandskollegen haben wir entschieden, dass wir das Projekt hier durchführen. Ich verantworte es und mir ist ganz wichtig, dass wir uns für die Kinderrechte einsetzen. Denn als Kinderhilfsorganisation muss man sich auch für die Rechte der Kinder einsetzen.

Da wir im Vorstand einige Dinge zu tun haben, kann ich leider nicht wie Ann-Christin (die Projektleiterin) jeden Tag hier sein, obwohl ich gerne hier wäre. Ich bin alle zwei, drei Tage hier und bin immer wieder total erstaunt, was ihr dann bis zum nächsten Mal geschafft habt. Ich  bin ganz begeistert, was entstanden ist. Gerade war ich oben im Kunstraum und habe diese riesige Schlange gesehen, die dort gebaut worden ist, das ist ja Wahnsinn!

Was sind die Ziele des Projektes?

Dieses Projekt machen wir klar, damit ihr Freude daran habt auch mal auf eine andere Art und Weise Schule zu erleben könnt, denn Bildung ist nicht nur Schule. Bilden tut man sich auch, wenn man kreativ und aktiv  ist. , Aber das wichtigste für mich ist, dass ihr und eure Mitschüler die Kinderrechte kennt und wisst, was sie bedeuten. Mit diesem Projekt wollen wir auf die Kinderrechte aufmerksam machen. Die Kinderrechte werden heute leider nicht auf der ganzen Welt so gelebt, wie es sein sollte. selbstverständlich im Tagesablauf integriert. i Das ist nicht der Fall, ansonsten würden wir nicht 60 Millionen Kinder haben, die noch nicht einmal zur Grundschule gehen können. Könnt ihr Euch vorstellen wie es ist, nicht lesen oder schreiben zu können? Ich glaube, dass ihr oder die Kinder hier, die die Bildung genießen können, es sich gar nicht mehr vorstellen können, was es bedeutet, wenn man nicht schreiben oder rechnen kann.  „Du stehst irgendwo an der Kasse und kaufst dir ein Duplo und Kaugummi und kannst nicht selber zusammen rechnen, was es kostet, weil du es nie gelernt hast.“ Das ist eine Selbstverständlichkeit für uns hier, aber nicht auf der Welt.

Die ganze Welt hat 1989 die UN-Kinderrechtskonventionen unterschrieben, jedes Land hat gesagt: „Ja, dieses Rechte gelten für uns und auf der ganzen Welt!“ Aber das ist nicht so! Wenn wir z.B. nach Afrika schauen oder teilweise auch bei uns in die Nähe: Ich war in Albanien – das ist anderthalb Flugstunden von hier entfernt – und selbst dort finden wir diese Situationen, dass Kinder nicht zur Schule gehen können und nicht darauf geachtet wird. Das finde ich völlig erschreckend. Was soll aus diesen Kindern werden? Was sollen die mal arbeiten?

Wie ist die Kooperation mit „Child of Play“, dem Künstlerkollektiv, entstanden?

Das erste Projekt, was ich bewusst von „Child of Play“ gesehen habe, war das im Flüchtlingscamp Zaatari in Jordanien. Dann haben Kollegen von uns in Hall in Österreich ein Projekt mit denen gemacht. Das habe ich mir angeschaut und habe gedacht, das ist richtig toll, das wäre auch mal super für Deutschland und Düsseldorf.

In Düsseldorf und NRW haben wir viele Freunde und großartige Spender, die SOS Kinderdörfer toll unterstützen. Wir werden auch in Kürze ein Büro eröffnen um näher bei unseren Freunden zu sein.

So kam die Idee das Projekt hier in Düsseldorf zu starten.

Und wie kam die Kooperation mit dem Görres-Gymnasium, der Max Grundschule und der Benrather Hauptschule zustande?

Ich bin zum Oberbürgermeister Thomas Geisel gegangen und habe ihn gefragt, ob er Interesse hätte, als Stadt mitzumachen. Als er  gesagt hat, dass er das Projekt ganz toll findet und gerne unterstützt, habe ich ihn auch gefragt, ob er mir helfen kann, Schulen zu finden, die Lust haben mitzumachen. Dann haben wir das praktisch ausgeschrieben und es haben sich mehrere Schulen beworben. Ich bin mit Herrn Hüller (dem Initiator von „Child of Play“) und Ann-Christin zusammen zwei Tage zu jeder Schule gegangen und wir haben sie befragt, ob sie Interesse haben und warum und weshalb sie mitmachen wollen. Dann ist die Wahl auf das Görres gefallen und auf die Benrather Hauptschule. Hinzu kam dann auch die Max Grundschule. Uns war es sehr wichtig, dass wir Schüler von unterschiedlicher Herkunft und Alter in diesem Projekt haben. Die Integration ist sehr wichtig. Die Viertklässler haben eine andere Sicht auf die Dinge als die Görres Schüler und Schüler der Einsteigerklasse von der Benrather Hauptschule.

Die Kinderrechte, Spiel, Bildung und Teilhabe, sind für euch alle wichtig, egal auf welcher Schule ihr seid.

Können Sie ein bisheriges Fazit zum Projekt geben?

An den ersten beiden Tagen war es vielleicht erst etwas chaotisch, so viele Kinder waren da und keiner von Ihnen wusste genau, wer geht wohin, wer macht was. Aber das ist bei so einem Projekt ja normal. Ich glaube, man kann da keine 100-prozentige Präzision reinbringen – das wollen wir auch nicht. Da soll ja auch die Kreativität fließen. Nach dem, was ich bisher gesehen und von Ann-Christin gehört habe, mit der ich jeden Tag telefoniere, kann ich sagen, dass das Projekt super läuft: Die Kinder sind super motiviert, denen macht es allen Spaß und ich bin riesig gespannt, nächste Woche das Bild am Burgplatz zu sehen!

Gibt es schon Pläne, wie das Projekt nach der nächsten Woche weitergehen soll?

Auf der 70 Jahre NRW Feier wird das Bild unter dem Motto „Schlaue Kinder – starke Erwachsene“ als Riesenpuzzle präsentiert. Zusätzlich werden wir versuchen, Ausstellungsräume zu gewinnen, wo wir das Bild zeigen können. Ein Museum zu finden, wo wir das Bild ausstellen können – das wäre total schön!

Wir bedanken uns für das Interview!

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